Was mit Medien und so

Blog über Journalismus & Medien

Dont feed the Troll! Wie geht man mit üblen Kommentaren um?

Dont feed the Troll (Symbolbild: stock:xchng)

Die Süddeutsche Zeitung hat auf ihren Internetseiten die Kommentarfunktion abgeschaltet. Nach offizieller Lesart will die Redaktion mit ihren Lesen auf eine neue Art und Weise diskutieren. Viele glauben, dass die Redaktion den Kommentar-Spam der Pöbler und Trolle satt hatte und deshalb so reagiert hat. Hier zunächst mal mein Video-Blogbeitrag dazu:

Für gedruckte Zeitungen waren und sind es die Leserbrief, für Online-Medien lange die Kommentare oder auch selbst betriebene Foren. Diese wurden und werden für den Dialog mit der Zielgruppe genutzt. Online bringt das aber ein Problem mit sich. Kommentarfunktionen und Foren ziehen auch Trolle und Pöbler magisch an.

Verbalproleten ohne Namen

Vor allem, wenn man anonym (also ohne Anmeldung) oder mit Pseudonymen kommentieren kann, dann treten diese Zeitgenossen auf den Plan. Unter dem Deckmantel der (vermeintlichen) Anonymität kübeln sie mit Wonne geistig Unterbelichtetes oder einfach nur Unrat und Unflat in die Eingabefelder. Es wird gehetzt, gestänkert, provoziert, beleidigt oder agitiert.

Immer wieder gerne genommen werden Beschimpfungen der Redaktion und Journalisten. Oder man bezichtigt die „staatlich ferngesteuerten Schreiberlinge“ irgendwelcher Verfehlungen. Mal werden andere Kommentatoren beleidigt. Oder es wird über Ausländer oder Andersgläubige gehetzt.

„Ihr Schergen von der Zensur-Behörde“

Und diese Verbalproleten berufen sich dabei immer gerne auf die Meinungsfreiheit. Das merkt man spätestens, wenn inakzeptable Kommentare gelöscht werden. Dann nämlich werden die Redaktionen der Zensur beschuldigt und das die Meinungsfreiheit beschnitten würde, wenn man Kommentare löscht. Dabei hat die in Artikel 5 Grundgesetz garantierte Meinungsfreiheit auch gesetzlich definierte Schranken. Hier einige davon:

  • Schutz der persönlichen Ehre gegen Beleidigung oder Verleumdung,
  • Weitergabe als geheim klassifizierter Informationen,
  • Grenzen der Sittlichkeit und des Jugendschutzes

Und Artikel 5 Absatz 2 GG regelt konkret: „Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“

Schranken der Meinungsfreiheit sind bindend

Dont feed the Troll (Symbolbild: stock:xchng)

Dont feed the Troll (Symbolbild: stock:xchng)

Verlags- und Medienhäuser sind an diese Schranken gebunden und müssen diese umsetzen. Dies geschieht, indem Kommentare und Beiträge, die gegen diese Schranken verstoßen gelöscht werden. Dabei gibt es zwei Varianten. Die Moderation oder das nachträgliche Löschen. Bei moderierten Foren und Kommentaren werden die Beiträge erst geprüft und nur freigeschaltet, wenn sie nicht gegen diese Schranken der Meinungsfreiheit verstoßen. Bei manche Medien werden die Kommentare alle zunächst automatisch freigeschaltet und dann nachträglich kontrolliert und falls nötig gelöscht.

Kampf dem Troll – Moderation ist Aufwand

Das aber bedeutet Personal- und Zeitaufwand und beides kann bei populären Medien gewaltig sein. Gefährlich leben solche Medien die im Prinzip erst dann auf einen inakzeptablen Beitrag reagieren, wenn eine Beschwerde vorliegt.

Die Süddeutsche ist derzeit zwar das neueste, aber bei weitem nicht die einzige Medium, dass dieses Problem einfach auf ein soziales Netzwerk auslagert. Auf der eigenen Seite soll täglich nur über zwei bis drei wichtige Themen debattiert werden – mit moderierten Kommentaren – alles andere passiert wenn, dann auf Facebook … zumindest bei den Artikeln, die die Redaktion dort postet. Die Medien bauen darauf, das Facebook-Nutzer deutlich besser als Person erkenn- und identifizierbar sind und daher die Tendenz zum Pöbeln geringer ist.

Aber auch die Medien-eigene Facebook-Seite kann man nicht unbeaufsichtigt sich selbst lassen. Auch hier muss reagiert und geantwortet werden, denn die Medien wollen ja nach wie vor den Dialog mit ihren (vernunftbegabten) Lesern oder dem Publikum nutzen.

Klarnamenpflicht mit Schönheitsfehlern

Andere Medien führen statt dessen für die Nutzung der Kommentarfunktion auf ihren Seiten eine Registrierung mit Klarnamenpflicht ein. Wer kommentieren will soll seinen echten Namen angeben. Die Krux dabei: Es wird selten nachhaltig geprüft, ob der registrierte Nutzer auch ist, wer er vorgibt zu sein. Eine E-Mail-Adresse mit Pseudonym ist bei den Freemail-Anbietern schnell gebucht und schon kommentiert eine virtuelle Person, die dann wieder kein Blatt vor den Mund nimmt. Immerhin aber ist die  Registrierung mit Klarnamenpflicht eine gewisse Hemmschwelle und dürfte einige Trolle und Pöbler abschrecken.

Sparen am falschen Ende

Redaktionen oder Medien, die sich die Arbeit mit Kommentaren komplett sparen wollen, indem sie solche Funktionen z.B. nach Facebook auslagern oder gar komplett abschalten, sparen am falschen Ende. Sie verlieren den Kontakt zu den Lesern, die es gut und ehrlich meinen und zwar mit Kommentaren aber auch ehrlicher und sachlicher Kritik. Manchem Medium, auch lokalen, liest man an, dass sowieso schon der Kontakt zur Zielgruppe ausgedünnt ist. Beraubt man sich selbst des Rückkanals, dann wächst die Distanz zur Zielgruppe und deren Medientreue schwindet.

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